Å SKJELVE – below free­zing. Diesen Film muss man gesehen haben: Stand-Up-Paddling bei ‑20 Grad im eisigen Nor­wegen. Eine fas­zi­nie­rende Story und atem­be­rau­bende Bilder in einer fast sur­realen Win­ter­land­schaft. Ein Bericht von Kata

Doch wusstet ihr schon, dass das Team rund um die begeis­terte SUP Trai­nerin Lena Albrecht, dem mehr­fa­chen Deut­schen SUP Meister Kai-Nicolas Steimer sowie Foto­graf Lars Jacobsen und Video­graf Maxi­mi­lian Sto­larow wäh­rend des gesamten Drehs von – unter diesen Bedin­gungen unend­li­chen – 10 Tagen im Zelt über­nachtet hat? Und was tut man, wenn bei diesen Tem­pe­ra­turen sämt­liche Lebens­mittel ein­frieren? Jetzt bei uns: das exklu­sive Inter­view mit Lena Albrecht, die wohl das käl­teste Aben­teuer ihres Lebens erlebt hat. Mit im Gepäck: span­nende Hin­ter­grund­infos und unglaub­liche Anek­doten von einem fros­tigen Road­trip.

Das ist Lena.

Seit vielen Jahren ist die 29-Jäh­­rige kaum noch von den Ham­burger Gewäs­sern weg­zu­denken. Jeden Sommer begleitet sie lei­den­schaft­lich die Anfän­ger­kurse beim SUP CLUB HAMBURG. Seit letztem Jahr gehört die gebür­tige Ham­bur­gerin zum natio­nalen Team von Fanatic und ist bei vielen deut­schen SUP-Events im Orga­ni­sa­ti­ons­team anzu­treffen. Die rei­se­be­geis­terte Außen­han­dels­kauf­frau arbeitet der­zeit als Shop­ma­na­gerin im Salt­water Shop Hei­li­gen­hafen und freut sich sehr auf ihren bevor­ste­henden Trip ins som­mer­liche Bra­si­lien.

Liebe Lena, erzähle doch einmal was Euch zu diesem Pro­jekt bewegt hat und warum ihr diesen Film machen wolltet.

Kai und ich pad­deln und reisen beide sehr gerne. Wir waren schon auf allen mög­li­chen Gewäs­sern in und um Ham­burg unter­wegs. Nun hatten wir ein­fach Lust auf Neues und wollten etwas Außer­ge­wöhn­li­ches erleben. Hinzu kommt, dass es uns beiden sehr am Herzen liegt, diesen teil­weise noch sehr unbe­kannten und neuen Sport vor­an­zu­treiben und bekannter zu machen. Wir wollten den Leuten da draußen ein­fach zeigen, wie viel­fätig SUP sein kann. Um diese Auf­merk­sam­keit zu errei­chen, bedarf es ein­drucks­voller Aktionen. Klar, dass wir dafür die Hilfe eines Foto­grafen und Kame­ra­manns benö­tigten. Lars und Max konnten wir glück­li­cher­weise ohne große Über­re­dungs­künste für unser Pro­jekt begeis­tern. Ein gemein­samer Termin war schnell gefunden und wir konnten mit der Pla­nung los­legen!

Wir haben gehört, dass ihr Euch ursprüng­lich ein ganz anderes Rei­se­ziel in einer ganz anderen Kli­ma­zone für das Pro­jekt aus­ge­sucht hattet. Erst kurz vor der Abreise hast Du erfahren, dass es nach Nor­wegen geht. Was war da los?

Ursprüng­lich sollte es nach Gambia in West­afrika gehen. Die Pla­nung für diesen Trip hat meh­rere Monate in Anspruch genommen. In Gambia wollten wir den gleich­na­migen Fluss ent­lang pad­deln – bei ange­nehmen 30 Grad Cel­sius. Die Flüge waren bereits gebucht, ein Boot gemietet und sogar die Koffer gepackt – inklu­sive Bikinis, Flip­flops, Mos­ki­to­schutz und Son­nen­brille. Doch auf­grund der poli­tisch insta­bilen Lage und wei­terer Gefahren, die uns vor Ort mög­li­cher­weise erwartet hätten, haben wir uns einen Tag vor der Abreise gegen diesen Plan und für ein kom­plett anderes Ziel ent­schieden: Nor­wegen im tiefsten Winter. Das macht am Ende einen Tem­pe­ra­tur­un­ter­schied von über 50 Grad.

Wie­viel Tage Vor­be­rei­tungen blieben Euch und wie habt ihr das so schnell orga­ni­siert?

Da wir alle ter­min­lich sehr ein­ge­spannt sind und bereits wei­tere Pro­jekte in der Pla­nung hatten, konnten wir den Trip nicht ver­schieben. Aber wir wollten den Film unbe­dingt rea­li­sieren, also mussten wir dieses Zeit­fenster nutzen. Uns blieben also tat­säch­lich nur 3 Tage zur gesamten Vor­be­rei­tung. Schnell mussten wir die unge­fähre Rei­se­route fest­legen. Wir haben einen Jeep gemietet und ein Zelt­an­hänger orga­ni­siert. Auch die feh­lende Win­ter­be­klei­dung sowie Win­ter­schuhe und natür­lich die wich­tige Funk­ti­on­s­klei­dung und das Equip­ment zum Pad­deln bei Minus­graden musste schnells­tens besorgt werden. Glück­li­cher­weise haben uns unsere Spon­soren und Freunde in diesem Fall unter die Arme gegriffen und mit dem Nötigsten ver­sorgt. Dazu kam dann noch ein Vorrat an Lebens­mit­teln und Getränken für 10 Tage – und schon ging es los!

Ges­tern gefühlt in Afrika. Heute auf­ge­wacht in Nor­wegen. Wie war die erste Nacht?

Am ersten Morgen hatte ich tat­säch­lich den innigsten Wunsch alles abzu­bre­chen! Wir hatten unser Zelt auf einer Wald­lich­tung auf­ge­schlagen. Es war eine so unfassbar eis­kalte Nacht, ich habe keine Sekunde ein Auge zube­kommen. In meinem Schlaf­sack habe ich nur gezit­tert und konnte mor­gens erstmal gar nicht auf­stehen – selbst die Stiefel und Jacken waren starr gefroren. Die Jungs haben mich dann aber relativ schnell wieder moti­viert wei­ter­zu­ma­chen – und das hat sich am Ende ja auch mehr als gelohnt!

Cam­ping­plätze sind zu dieser Jah­res­zeit gene­rell ein­ge­schneit. Wo habt ihr über­nachtet und wie habt ihr Euch ver­pflegt?

In der Tat: Cam­ping­plätze sind im Winter nicht erreichbar. Aber in Nor­wegen darf man dank Jeder­manns­recht sowieso überall in der Natur seine Zelte auf­schlagen. Und wir waren mit allem aus­ge­stattet, was wir brauchten. Wir haben mehr­mals unseren Standort gewech­selt: einmal in einem Wald auf einer Hoch­ebene, dann ober­halb eines Fjords mit Blick auf das dun­kel­blaue Wasser oder auch mal direkt am Meer – eben immer dort, wo es uns land­schaft­lich gefiel und von wo aus wir unsere Pad­del­touren und Aus­flüge am nächsten Tag starten wollten.
Unser ursprüng­li­cher Ver­sor­gungs­plan schloss einen Gas­ko­cher mit ein. Doch bereits nach der ersten Nacht in Nor­wegen waren sämt­liche Lebens­mittel und Getränke sowie auch alle Gas­vor­räte ein­ge­froren. Die Ver­pfle­gung war so tat­säch­lich viel, viel schwie­riger als gedacht: hier und da mal ein warmer Kaffee an einer der wenigen offenen Tank­stellen auf unserem Weg, ein gefro­renes Käse­brot oder mal ein harter Müs­li­riegel. Zuge­geben, da hätte man sicher um Einiges besser vor­be­reiten sein können. Auf jeden Fall stieg so das Aben­teu­er­level unseres Trips noch weiter!

Ein typi­scher Drehtag bei ‑20 Grad in Skan­di­na­vien. Wie sieht dieser aus?

Wir sind in der Regel mor­gens noch bei Dun­kel­heit auf­ge­standen. Früh­stück und Dusche waren sowieso nicht mög­lich, also haben wir erstmal den Jeep beim Schein unserer Stirn­lampen von Schnee und Eis befreit, dann unser Pad­de­le­quip­ment ein­ge­packt, die Boards auf­ge­laden und sind los­ge­fahren. Dadurch, dass wir nur ein paar Stunden Tages­licht zur Ver­fü­gung hatten, mussten wir die Dreh­orte und täg­li­chen Touren mög­lichst gut planen und auch recht­zeitig einen neuen Lager­platz suchen, um nicht in völ­liger Dun­kel­heit noch durch die Gegend zu irren.

Wel­cher Aus­rüs­tungs­ge­gen­stand darf bei sol­chen Bedin­gungen absolut nicht fehlen? Worauf hät­test Du unter keinen Umständen ver­zichten können?

Wichtig ist auf jeden Fall ein wirk­lich warmer Schlaf­sack – natür­lich habe ich nachts trotzdem immer gefroren. Meine Füsse sind wäh­rend des gesamten Trips nicht einmal warm geworden. Außerdem ist das rich­tige Pad­de­le­quip­ment über­le­bens­wichtig. Wir haben Tro­cken­an­züge und dar­unter dicke Funk­ti­ons­kla­motten getragen. Ins eisige Wasser zu fallen und dabei nicht anständig aus­ge­rüstet zu sein, wollten wir auf keinen Fall ris­kieren. Das kann schnell sehr gefähr­lich werden. Viele Seen waren nur zum Teil eis­frei. Da hätte es sogar pas­sieren können, dass einer von uns aus irgend­einem Grund unter das Eis gerät, bei diesen Tem­pe­ra­turen defi­nitiv zu ris­kant.

Mal etwas All­ge­meines: Nor­wegen im Winter. Was erwartet einen dort?

Jede Menge Schnee, eisige Tem­pe­ra­turen, wenig Tages­licht und noch weniger Men­schen. Dazu wun­der­schöne weiße Berge, tiefe Schluchten, kaum befah­rene Straßen, zuge­fro­rene Seen, rei­ßende Flüsse, eis­über­zo­gene Strände, unbe­rührte Wälder, gefühlt ver­las­sene Ort­schaften. Ein­fach eine Viel­zahl an außer­ge­wöh­li­chen Ein­drü­cken, viel unbe­rührte Natur, unver­gess­liche Son­nen­un­ter­gänge und schnee­be­deckte Land­schaften so weit das Auge reicht. Ich denke diese Viel­falt kommt auch sehr gut in diesem tollen Film rüber.

Kannst Du Dich noch an den auf­re­gendsten Moment erin­nern?

Der auf­re­gendste und für mich beein­dru­ckendste Tag der gesamten Reise war defi­nitiv der Aus­flug zum Jostedal­s­­breen-Gle­t­­scher. Eigent­lich wollten wir auf dem Glet­schersee pad­deln. Dieser war natür­lich – wie konnten wir etwas anderes erwarten – kom­plett zuge­froren. Also blieb uns nichts anderes übrig, als mit unseren Boards im Schlepptau den ganzen Weg durch den tiefen Schnee Rich­tung Glet­scher durch den Schnee zu stapfen. Ein wirk­lich anst­re­gender, viele Kilo­meter langer Marsch, vor allem wenn man bedenkt, dass wir ja die ganze Zeit über nur so wenig zum Essen und Trinken hatten. Wir haben uns beim Laufen tat­säch­lich ein paar Dosen Ener­gy­drink in unseren Hosen­bund gesteckt – in der Hoff­nung, dass diese dort eini­ger­maßen auf­tauen würden. Aber nicht mal das hat wirk­lich gut funk­tio­niert. Es war ein­fach viel zu kalt. Wäh­rend wir dem Glet­scher langsam näher kamen, wurde die Luft immer eisiger, die Stille um uns herum war so groß und als wir irgend­wann das durch­drin­gende Blau des Glet­scher­eises sehen konnten, blieb uns vor Auf­re­gung fast die Luft weg. So einen Anblick ver­gisst man nicht. Das Gefühl, einem sol­chen Natur­spek­takel so nahe zu sein, ist unbe­schreib­lich, ein­fach etwas ganz Beson­deres. Zurück am Auto war es dann bereits schon wieder dunkel, und wir ein­fach nur platt. In einem nahe­ge­le­genen Ort haben wir uns dann eine rie­sige, sünd­haft teure Pizza gegönnt und in der dar­auf­fol­genden Nacht konnte dann sogar ich trotz Kälte ein paar Stunden schlafen.

Was pas­siert nun mit der Doku­men­ta­tion und wo können wir sie überall sehen?

Die Doku­men­ta­tion von Max (FARB FILM FABRIK) ist inzwi­schen bei Vimeo online (Anm. d. Red., siehe unten) und über alle mög­li­chen Kanäle anzu­gu­cken. Viele SUP‑, Sport- und Out­door­ma­ga­zine bringen momentan Berichte über unseren eis­kalten Aben­teu­er­trip. Die welt­weite Reso­nanz ist wirk­lich über­wäl­ti­gend! Ich bin sehr gespannt, wo der Kurz­film in Zukunft noch überall zu sehen sein wird!

Die Han­sea­ten­bande bedankt sich viel­mals für Rede und Ant­wort sowie die span­nenden Geschichten.
Wir wün­schen noch viel Freude und unver­gess­liche Aben­teuer auf dem Wasser!

Fotos: © Lars Jacobsen

Vimeo

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Doch wusstet ihr schon, dass das Team rund um die begeis­terte SUP Trai­nerin Lena Albrecht, dem mehr­fa­chen Deut­schen SUP Meister Kai-Nicolas Steimer sowie Foto­graf Lars Jacobsen und Video­graf Maxi­mi­lian Sto­larow wäh­rend des gesamten Drehs von – unter diesen Bedin­gungen unend­li­chen – 10 Tagen im Zelt über­nachtet hat? Und was tut man, wenn bei diesen Tem­pe­ra­turen sämt­liche Lebens­mittel ein­frieren? Jetzt bei uns: das exklu­sive Inter­view mit Lena Albrecht, die wohl das käl­teste Aben­teuer ihres Lebens erlebt hat. Mit im Gepäck: span­nende Hin­ter­grund­infos und unglaub­liche Anek­doten von einem fros­tigen Road­trip.

Das ist Lena.

Seit vielen Jahren ist die 29-Jäh­­rige kaum noch von den Ham­burger Gewäs­sern weg­zu­denken. Jeden Sommer begleitet sie lei­den­schaft­lich die Anfän­ger­kurse beim SUP CLUB HAMBURG. Seit letztem Jahr gehört die gebür­tige Ham­bur­gerin zum natio­nalen Team von Fanatic und ist bei vielen deut­schen SUP-Events im Orga­ni­sa­ti­ons­team anzu­treffen. Die rei­se­be­geis­terte Außen­han­dels­kauf­frau arbeitet der­zeit als Shop­ma­na­gerin im Salt­water Shop Hei­li­gen­hafen und freut sich sehr auf ihren bevor­ste­henden Trip ins som­mer­liche Bra­si­lien.

Liebe Lena, erzähle doch einmal was Euch zu diesem Pro­jekt bewegt hat und warum ihr diesen Film machen wolltet.

Kai und ich pad­deln und reisen beide sehr gerne. Wir waren schon auf allen mög­li­chen Gewäs­sern in und um Ham­burg unter­wegs. Nun hatten wir ein­fach Lust auf Neues und wollten etwas Außer­ge­wöhn­li­ches erleben. Hinzu kommt, dass es uns beiden sehr am Herzen liegt, diesen teil­weise noch sehr unbe­kannten und neuen Sport vor­an­zu­treiben und bekannter zu machen. Wir wollten den Leuten da draußen ein­fach zeigen, wie viel­fätig SUP sein kann. Um diese Auf­merk­sam­keit zu errei­chen, bedarf es ein­drucks­voller Aktionen. Klar, dass wir dafür die Hilfe eines Foto­grafen und Kame­ra­manns benö­tigten. Lars und Max konnten wir glück­li­cher­weise ohne große Über­re­dungs­künste für unser Pro­jekt begeis­tern. Ein gemein­samer Termin war schnell gefunden und wir konnten mit der Pla­nung los­legen!

Wir haben gehört, dass ihr Euch ursprüng­lich ein ganz anderes Rei­se­ziel in einer ganz anderen Kli­ma­zone für das Pro­jekt aus­ge­sucht hattet. Erst kurz vor der Abreise hast Du erfahren, dass es nach Nor­wegen geht. Was war da los?

Ursprüng­lich sollte es nach Gambia in West­afrika gehen. Die Pla­nung für diesen Trip hat meh­rere Monate in Anspruch genommen. In Gambia wollten wir den gleich­na­migen Fluss ent­lang pad­deln – bei ange­nehmen 30 Grad Cel­sius. Die Flüge waren bereits gebucht, ein Boot gemietet und sogar die Koffer gepackt – inklu­sive Bikinis, Flip­flops, Mos­ki­to­schutz und Son­nen­brille. Doch auf­grund der poli­tisch insta­bilen Lage und wei­terer Gefahren, die uns vor Ort mög­li­cher­weise erwartet hätten, haben wir uns einen Tag vor der Abreise gegen diesen Plan und für ein kom­plett anderes Ziel ent­schieden: Nor­wegen im tiefsten Winter. Das macht am Ende einen Tem­pe­ra­tur­un­ter­schied von über 50 Grad.

Wie­viel Tage Vor­be­rei­tungen blieben Euch und wie habt ihr das so schnell orga­ni­siert?

Da wir alle ter­min­lich sehr ein­ge­spannt sind und bereits wei­tere Pro­jekte in der Pla­nung hatten, konnten wir den Trip nicht ver­schieben. Aber wir wollten den Film unbe­dingt rea­li­sieren, also mussten wir dieses Zeit­fenster nutzen. Uns blieben also tat­säch­lich nur 3 Tage zur gesamten Vor­be­rei­tung. Schnell mussten wir die unge­fähre Rei­se­route fest­legen. Wir haben einen Jeep gemietet und ein Zelt­an­hänger orga­ni­siert. Auch die feh­lende Win­ter­be­klei­dung sowie Win­ter­schuhe und natür­lich die wich­tige Funk­ti­on­s­klei­dung und das Equip­ment zum Pad­deln bei Minus­graden musste schnells­tens besorgt werden. Glück­li­cher­weise haben uns unsere Spon­soren und Freunde in diesem Fall unter die Arme gegriffen und mit dem Nötigsten ver­sorgt. Dazu kam dann noch ein Vorrat an Lebens­mit­teln und Getränken für 10 Tage – und schon ging es los!

Ges­tern gefühlt in Afrika. Heute auf­ge­wacht in Nor­wegen. Wie war die erste Nacht?

Am ersten Morgen hatte ich tat­säch­lich den innigsten Wunsch alles abzu­bre­chen! Wir hatten unser Zelt auf einer Wald­lich­tung auf­ge­schlagen. Es war eine so unfassbar eis­kalte Nacht, ich habe keine Sekunde ein Auge zube­kommen. In meinem Schlaf­sack habe ich nur gezit­tert und konnte mor­gens erstmal gar nicht auf­stehen – selbst die Stiefel und Jacken waren starr gefroren. Die Jungs haben mich dann aber relativ schnell wieder moti­viert wei­ter­zu­ma­chen – und das hat sich am Ende ja auch mehr als gelohnt!

Cam­ping­plätze sind zu dieser Jah­res­zeit gene­rell ein­ge­schneit. Wo habt ihr über­nachtet und wie habt ihr Euch ver­pflegt?

In der Tat: Cam­ping­plätze sind im Winter nicht erreichbar. Aber in Nor­wegen darf man dank Jeder­manns­recht sowieso überall in der Natur seine Zelte auf­schlagen. Und wir waren mit allem aus­ge­stattet, was wir brauchten. Wir haben mehr­mals unseren Standort gewech­selt: einmal in einem Wald auf einer Hoch­ebene, dann ober­halb eines Fjords mit Blick auf das dun­kel­blaue Wasser oder auch mal direkt am Meer – eben immer dort, wo es uns land­schaft­lich gefiel und von wo aus wir unsere Pad­del­touren und Aus­flüge am nächsten Tag starten wollten.
Unser ursprüng­li­cher Ver­sor­gungs­plan schloss einen Gas­ko­cher mit ein. Doch bereits nach der ersten Nacht in Nor­wegen waren sämt­liche Lebens­mittel und Getränke sowie auch alle Gas­vor­räte ein­ge­froren. Die Ver­pfle­gung war so tat­säch­lich viel, viel schwie­riger als gedacht: hier und da mal ein warmer Kaffee an einer der wenigen offenen Tank­stellen auf unserem Weg, ein gefro­renes Käse­brot oder mal ein harter Müs­li­riegel. Zuge­geben, da hätte man sicher um Einiges besser vor­be­reiten sein können. Auf jeden Fall stieg so das Aben­teu­er­level unseres Trips noch weiter!

Ein typi­scher Drehtag bei ‑20 Grad in Skan­di­na­vien. Wie sieht dieser aus?

Wir sind in der Regel mor­gens noch bei Dun­kel­heit auf­ge­standen. Früh­stück und Dusche waren sowieso nicht mög­lich, also haben wir erstmal den Jeep beim Schein unserer Stirn­lampen von Schnee und Eis befreit, dann unser Pad­de­le­quip­ment ein­ge­packt, die Boards auf­ge­laden und sind los­ge­fahren. Dadurch, dass wir nur ein paar Stunden Tages­licht zur Ver­fü­gung hatten, mussten wir die Dreh­orte und täg­li­chen Touren mög­lichst gut planen und auch recht­zeitig einen neuen Lager­platz suchen, um nicht in völ­liger Dun­kel­heit noch durch die Gegend zu irren.

Wel­cher Aus­rüs­tungs­ge­gen­stand darf bei sol­chen Bedin­gungen absolut nicht fehlen? Worauf hät­test Du unter keinen Umständen ver­zichten können?

Wichtig ist auf jeden Fall ein wirk­lich warmer Schlaf­sack – natür­lich habe ich nachts trotzdem immer gefroren. Meine Füsse sind wäh­rend des gesamten Trips nicht einmal warm geworden. Außerdem ist das rich­tige Pad­de­le­quip­ment über­le­bens­wichtig. Wir haben Tro­cken­an­züge und dar­unter dicke Funk­ti­ons­kla­motten getragen. Ins eisige Wasser zu fallen und dabei nicht anständig aus­ge­rüstet zu sein, wollten wir auf keinen Fall ris­kieren. Das kann schnell sehr gefähr­lich werden. Viele Seen waren nur zum Teil eis­frei. Da hätte es sogar pas­sieren können, dass einer von uns aus irgend­einem Grund unter das Eis gerät, bei diesen Tem­pe­ra­turen defi­nitiv zu ris­kant.

Mal etwas All­ge­meines: Nor­wegen im Winter. Was erwartet einen dort?

Jede Menge Schnee, eisige Tem­pe­ra­turen, wenig Tages­licht und noch weniger Men­schen. Dazu wun­der­schöne weiße Berge, tiefe Schluchten, kaum befah­rene Straßen, zuge­fro­rene Seen, rei­ßende Flüsse, eis­über­zo­gene Strände, unbe­rührte Wälder, gefühlt ver­las­sene Ort­schaften. Ein­fach eine Viel­zahl an außer­ge­wöh­li­chen Ein­drü­cken, viel unbe­rührte Natur, unver­gess­liche Son­nen­un­ter­gänge und schnee­be­deckte Land­schaften so weit das Auge reicht. Ich denke diese Viel­falt kommt auch sehr gut in diesem tollen Film rüber.

Kannst Du Dich noch an den auf­re­gendsten Moment erin­nern?

Der auf­re­gendste und für mich beein­dru­ckendste Tag der gesamten Reise war defi­nitiv der Aus­flug zum Jostedal­s­­breen-Gle­t­­scher. Eigent­lich wollten wir auf dem Glet­schersee pad­deln. Dieser war natür­lich – wie konnten wir etwas anderes erwarten – kom­plett zuge­froren. Also blieb uns nichts anderes übrig, als mit unseren Boards im Schlepptau den ganzen Weg durch den tiefen Schnee Rich­tung Glet­scher durch den Schnee zu stapfen. Ein wirk­lich anst­re­gender, viele Kilo­meter langer Marsch, vor allem wenn man bedenkt, dass wir ja die ganze Zeit über nur so wenig zum Essen und Trinken hatten. Wir haben uns beim Laufen tat­säch­lich ein paar Dosen Ener­gy­drink in unseren Hosen­bund gesteckt – in der Hoff­nung, dass diese dort eini­ger­maßen auf­tauen würden. Aber nicht mal das hat wirk­lich gut funk­tio­niert. Es war ein­fach viel zu kalt. Wäh­rend wir dem Glet­scher langsam näher kamen, wurde die Luft immer eisiger, die Stille um uns herum war so groß und als wir irgend­wann das durch­drin­gende Blau des Glet­scher­eises sehen konnten, blieb uns vor Auf­re­gung fast die Luft weg. So einen Anblick ver­gisst man nicht. Das Gefühl, einem sol­chen Natur­spek­takel so nahe zu sein, ist unbe­schreib­lich, ein­fach etwas ganz Beson­deres. Zurück am Auto war es dann bereits schon wieder dunkel, und wir ein­fach nur platt. In einem nahe­ge­le­genen Ort haben wir uns dann eine rie­sige, sünd­haft teure Pizza gegönnt und in der dar­auf­fol­genden Nacht konnte dann sogar ich trotz Kälte ein paar Stunden schlafen.

Was pas­siert nun mit der Doku­men­ta­tion und wo können wir sie überall sehen?

Die Doku­men­ta­tion von Max (FARB FILM FABRIK) ist inzwi­schen bei Vimeo online (Anm. d. Red., siehe unten) und über alle mög­li­chen Kanäle anzu­gu­cken. Viele SUP‑, Sport- und Out­door­ma­ga­zine bringen momentan Berichte über unseren eis­kalten Aben­teu­er­trip. Die welt­weite Reso­nanz ist wirk­lich über­wäl­ti­gend! Ich bin sehr gespannt, wo der Kurz­film in Zukunft noch überall zu sehen sein wird!

Die Han­sea­ten­bande bedankt sich viel­mals für Rede und Ant­wort sowie die span­nenden Geschichten.
Wir wün­schen noch viel Freude und unver­gess­liche Aben­teuer auf dem Wasser!

Fotos: © Lars Jacobsen

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