Å SKJELVE – below free­zing. Die­sen Film muss man gese­hen haben: Stand-Up-Paddling bei ‑20 Grad im eisi­gen Nor­we­gen. Eine fas­zi­nie­ren­de Sto­ry und atem­be­rau­ben­de Bil­der in einer fast sur­rea­len Win­ter­land­schaft.

Doch wuss­tet ihr schon, dass das Team rund um die begeis­ter­te SUP Trai­ne­rin Lena Albrecht, dem mehr­fa­chen Deut­schen SUP Meis­ter Kai-Nico­las Stei­mer sowie Foto­graf Lars Jacob­sen und Video­graf Maxi­mi­li­an Sto­la­row wäh­rend des gesam­ten Drehs von – unter die­sen Bedin­gun­gen unend­li­chen – 10 Tagen im Zelt über­nach­tet hat? Und was tut man, wenn bei die­sen Tem­pe­ra­tu­ren sämt­li­che Lebens­mit­tel ein­frie­ren?

Jetzt bei uns: das exklu­si­ve Inter­view mit Lena Albrecht, die wohl das käl­tes­te Aben­teu­er ihres Lebens erlebt hat. Mit im Gepäck: span­nen­de Hin­ter­grund­in­fos und unglaub­li­che Anek­do­ten von einem fros­ti­gen Road­trip.

Lie­be Lena, erzäh­le doch ein­mal was Euch zu die­sem Pro­jekt bewegt hat und war­um ihr die­sen Film machen woll­tet.

Kai und ich pad­deln und rei­sen bei­de sehr ger­ne. Wir waren schon auf allen mög­li­chen Gewäs­sern in und um Ham­burg unter­wegs. Nun hat­ten wir ein­fach Lust auf Neu­es und woll­ten etwas Außer­ge­wöhn­li­ches erle­ben. Hin­zu kommt, dass es uns bei­den sehr am Her­zen liegt, die­sen teil­wei­se noch sehr unbe­kann­ten und neu­en Sport vor­an­zu­trei­ben und bekann­ter zu machen. Wir woll­ten den Leu­ten da drau­ßen ein­fach zei­gen, wie viel­fä­tig SUP sein kann. Um die­se Auf­merk­sam­keit zu errei­chen, bedarf es ein­drucks­vol­ler Aktio­nen. Klar, dass wir dafür die Hil­fe eines Foto­gra­fen und Kame­ra­manns benö­tig­ten. Lars und Max konn­ten wir glück­li­cher­wei­se ohne gro­ße Über­re­dungs­küns­te für unser Pro­jekt begeis­tern. Ein gemein­sa­mer Ter­min war schnell gefun­den und wir konn­ten mit der Pla­nung los­le­gen!

Wir haben gehört, dass ihr Euch ursprüng­lich ein ganz ande­res Rei­se­ziel in einer ganz ande­ren Kli­ma­zo­ne für das Pro­jekt aus­ge­sucht hat­tet. Erst kurz vor der Abrei­se hast Du erfah­ren, dass es nach Nor­we­gen geht. Was war da los?

Ursprüng­lich soll­te es nach Gam­bia in West­afri­ka gehen. Die Pla­nung für die­sen Trip hat meh­re­re Mona­te in Anspruch genom­men. In Gam­bia woll­ten wir den gleich­na­mi­gen Fluss ent­lang pad­deln – bei ange­neh­men 30 Grad Cel­si­us. Die Flü­ge waren bereits gebucht, ein Boot gemie­tet und sogar die Kof­fer gepackt – inklu­si­ve Biki­nis, Flip­flops, Mos­ki­to­schutz und Son­nen­bril­le. Doch auf­grund der poli­tisch insta­bi­len Lage und wei­te­rer Gefah­ren, die uns vor Ort mög­li­cher­wei­se erwar­tet hät­ten, haben wir uns einen Tag vor der Abrei­se gegen die­sen Plan und für ein kom­plett ande­res Ziel ent­schie­den: Nor­we­gen im tiefs­ten Win­ter. Das macht am Ende einen Tem­pe­ra­tur­un­ter­schied von über 50 Grad.

Wie­viel Tage Vor­be­rei­tun­gen blie­ben Euch und wie habt ihr das so schnell orga­ni­siert?

Da wir alle ter­min­lich sehr ein­ge­spannt sind und bereits wei­te­re Pro­jek­te in der Pla­nung hat­ten, konn­ten wir den Trip nicht ver­schie­ben. Aber wir woll­ten den Film unbe­dingt rea­li­sie­ren, also muss­ten wir die­ses Zeit­fens­ter nut­zen. Uns blie­ben also tat­säch­lich nur 3 Tage zur gesam­ten Vor­be­rei­tung. Schnell muss­ten wir die unge­fäh­re Rei­se­rou­te fest­le­gen. Wir haben einen Jeep gemie­tet und ein Zelt­an­hän­ger orga­ni­siert. Auch die feh­len­de Win­ter­be­klei­dung sowie Win­ter­schu­he und natür­lich die wich­ti­ge Funk­ti­on­s­klei­dung und das Equip­ment zum Pad­deln bei Minus­gra­den muss­te schnells­tens besorgt wer­den. Glück­li­cher­wei­se haben uns unse­re Spon­so­ren und Freun­de in die­sem Fall unter die Arme gegrif­fen und mit dem Nötigs­ten ver­sorgt. Dazu kam dann noch ein Vor­rat an Lebens­mit­teln und Geträn­ken für 10 Tage – und schon ging es los!

Ges­tern gefühlt in Afri­ka. Heu­te auf­ge­wacht in Nor­we­gen. Wie war die ers­te Nacht?

Am ers­ten Mor­gen hat­te ich tat­säch­lich den innigs­ten Wunsch alles abzu­bre­chen! Wir hat­ten unser Zelt auf einer Wald­lich­tung auf­ge­schla­gen. Es war eine so unfass­bar eis­kal­te Nacht, ich habe kei­ne Sekun­de ein Auge zube­kom­men. In mei­nem Schlaf­sack habe ich nur gezit­tert und konn­te mor­gens erst­mal gar nicht auf­ste­hen – selbst die Stie­fel und Jacken waren starr gefro­ren. Die Jungs haben mich dann aber rela­tiv schnell wie­der moti­viert wei­ter­zu­ma­chen – und das hat sich am Ende ja auch mehr als gelohnt!

Das ist Lena.

Seit vie­len Jah­ren ist die 29-Jäh­­ri­ge kaum noch von den Ham­bur­ger Gewäs­sern weg­zu­den­ken. Jeden Som­mer beglei­tet sie lei­den­schaft­lich die Anfän­ger­kur­se beim SUP CLUB HAMBURG. Seit letz­tem Jahr gehört die gebür­ti­ge Ham­bur­ge­rin zum natio­na­len Team von Fana­tic und ist bei vie­len deut­schen SUP-Events im Orga­ni­sa­ti­ons­team anzu­tref­fen. Die rei­se­be­geis­ter­te Außen­han­dels­kauf­frau arbei­tet der­zeit als Shop­ma­na­ge­rin im Salt­wa­ter Shop Hei­li­gen­ha­fen und freut sich sehr auf ihren bevor­ste­hen­den Trip ins som­mer­li­che Bra­si­li­en.

Cam­ping­plät­ze sind zu die­ser Jah­res­zeit gene­rell ein­ge­schneit. Wo habt ihr über­nach­tet und wie habt ihr Euch ver­pflegt?

In der Tat: Cam­ping­plät­ze sind im Win­ter nicht erreich­bar. Aber in Nor­we­gen darf man dank Jeder­manns­recht sowie­so über­all in der Natur sei­ne Zel­te auf­schla­gen. Und wir waren mit allem aus­ge­stat­tet, was wir brauch­ten. Wir haben mehr­mals unse­ren Stand­ort gewech­selt: ein­mal in einem Wald auf einer Hoch­ebe­ne, dann ober­halb eines Fjords mit Blick auf das dun­kel­blaue Was­ser oder auch mal direkt am Meer – eben immer dort, wo es uns land­schaft­lich gefiel und von wo aus wir unse­re Pad­del­tou­ren und Aus­flü­ge am nächs­ten Tag star­ten woll­ten.
Unser ursprüng­li­cher Ver­sor­gungs­plan schloss einen Gas­ko­cher mit ein. Doch bereits nach der ers­ten Nacht in Nor­we­gen waren sämt­li­che Lebens­mit­tel und Geträn­ke sowie auch alle Gas­vor­rä­te ein­ge­fro­ren. Die Ver­pfle­gung war so tat­säch­lich viel, viel schwie­ri­ger als gedacht: hier und da mal ein war­mer Kaf­fee an einer der weni­gen offe­nen Tank­stel­len auf unse­rem Weg, ein gefro­re­nes Käse­brot oder mal ein har­ter Müs­li­rie­gel. Zuge­ge­ben, da hät­te man sicher um Eini­ges bes­ser vor­be­rei­ten sein kön­nen. Auf jeden Fall stieg so das Aben­teu­er­le­vel unse­res Trips noch wei­ter!

Ein typi­scher Dreh­tag bei ‑20 Grad in Skan­di­na­vi­en. Wie sieht die­ser aus?

Wir sind in der Regel mor­gens noch bei Dun­kel­heit auf­ge­stan­den. Früh­stück und Dusche waren sowie­so nicht mög­lich, also haben wir erst­mal den Jeep beim Schein unse­rer Stirn­lam­pen von Schnee und Eis befreit, dann unser Pad­de­le­quip­ment ein­ge­packt, die Boards auf­ge­la­den und sind los­ge­fah­ren. Dadurch, dass wir nur ein paar Stun­den Tages­licht zur Ver­fü­gung hat­ten, muss­ten wir die Dreh­or­te und täg­li­chen Tou­ren mög­lichst gut pla­nen und auch recht­zei­tig einen neu­en Lager­platz suchen, um nicht in völ­li­ger Dun­kel­heit noch durch die Gegend zu irren.

Wel­cher Aus­rüs­tungs­ge­gen­stand darf bei sol­chen Bedin­gun­gen abso­lut nicht feh­len? Wor­auf hät­test Du unter kei­nen Umstän­den ver­zich­ten kön­nen?

Wich­tig ist auf jeden Fall ein wirk­lich war­mer Schlaf­sack – natür­lich habe ich nachts trotz­dem immer gefro­ren. Mei­ne Füs­se sind wäh­rend des gesam­ten Trips nicht ein­mal warm gewor­den. Außer­dem ist das rich­ti­ge Pad­de­le­quip­ment über­le­bens­wich­tig. Wir haben Tro­cken­an­zü­ge und dar­un­ter dicke Funk­ti­ons­kla­mot­ten getra­gen. Ins eisi­ge Was­ser zu fal­len und dabei nicht anstän­dig aus­ge­rüs­tet zu sein, woll­ten wir auf kei­nen Fall ris­kie­ren. Das kann schnell sehr gefähr­lich wer­den. Vie­le Seen waren nur zum Teil eis­frei. Da hät­te es sogar pas­sie­ren kön­nen, dass einer von uns aus irgend­ei­nem Grund unter das Eis gerät, bei die­sen Tem­pe­ra­tu­ren defi­ni­tiv zu ris­kant.

Mal etwas All­ge­mei­nes: Nor­we­gen im Win­ter. Was erwar­tet einen dort?

Jede Men­ge Schnee, eisi­ge Tem­pe­ra­tu­ren, wenig Tages­licht und noch weni­ger Men­schen. Dazu wun­der­schö­ne wei­ße Ber­ge, tie­fe Schluch­ten, kaum befah­re­ne Stra­ßen, zuge­fro­re­ne Seen, rei­ßen­de Flüs­se, eis­über­zo­ge­ne Strän­de, unbe­rühr­te Wäl­der, gefühlt ver­las­se­ne Ort­schaf­ten. Ein­fach eine Viel­zahl an außer­ge­wöh­li­chen Ein­drü­cken, viel unbe­rühr­te Natur, unver­gess­li­che Son­nen­un­ter­gän­ge und schnee­be­deck­te Land­schaf­ten so weit das Auge reicht. Ich den­ke die­se Viel­falt kommt auch sehr gut in die­sem tol­len Film rüber.

Kannst Du Dich noch an den auf­re­gends­ten Moment erin­nern?

Der auf­re­gends­te und für mich beein­dru­ckends­te Tag der gesam­ten Rei­se war defi­ni­tiv der Aus­flug zum Jostedal­s­bre­en-Gle­t­­scher. Eigent­lich woll­ten wir auf dem Glet­scher­see pad­deln. Die­ser war natür­lich – wie konn­ten wir etwas ande­res erwar­ten – kom­plett zuge­fro­ren. Also blieb uns nichts ande­res übrig, als mit unse­ren Boards im Schlepp­tau den gan­zen Weg durch den tie­fen Schnee Rich­tung Glet­scher durch den Schnee zu stap­fen. Ein wirk­lich anst­re­gen­der, vie­le Kilo­me­ter lan­ger Marsch, vor allem wenn man bedenkt, dass wir ja die gan­ze Zeit über nur so wenig zum Essen und Trin­ken hat­ten. Wir haben uns beim Lau­fen tat­säch­lich ein paar Dosen Ener­gy­drink in unse­ren Hosen­bund gesteckt – in der Hoff­nung, dass die­se dort eini­ger­ma­ßen auf­tau­en wür­den. Aber nicht mal das hat wirk­lich gut funk­tio­niert. Es war ein­fach viel zu kalt. Wäh­rend wir dem Glet­scher lang­sam näher kamen, wur­de die Luft immer eisi­ger, die Stil­le um uns her­um war so groß und als wir irgend­wann das durch­drin­gen­de Blau des Glet­scher­ei­ses sehen konn­ten, blieb uns vor Auf­re­gung fast die Luft weg. So einen Anblick ver­gisst man nicht. Das Gefühl, einem sol­chen Natur­spek­ta­kel so nahe zu sein, ist unbe­schreib­lich, ein­fach etwas ganz Beson­de­res. Zurück am Auto war es dann bereits schon wie­der dun­kel, und wir ein­fach nur platt. In einem nahe­ge­le­ge­nen Ort haben wir uns dann eine rie­si­ge, sünd­haft teu­re Piz­za gegönnt und in der dar­auf­fol­gen­den Nacht konn­te dann sogar ich trotz Käl­te ein paar Stun­den schla­fen.

Was pas­siert nun mit der Doku­men­ta­ti­on und wo kön­nen wir sie über­all sehen?

Die Doku­men­ta­ti­on von Max (FARB FILM FABRIK) ist inzwi­schen bei Vimeo online (Anm. d. Red., sie­he unten) und über alle mög­li­chen Kanä­le anzu­gu­cken. Vie­le SUP‑, Sport- und Out­door­ma­ga­zi­ne brin­gen momen­tan Berich­te über unse­ren eis­kal­ten Aben­teu­er­trip. Die welt­wei­te Reso­nanz ist wirk­lich über­wäl­ti­gend! Ich bin sehr gespannt, wo der Kurz­film in Zukunft noch über­all zu sehen sein wird!

Die Han­sea­ten­ban­de bedankt sich viel­mals für Rede und Ant­wort sowie die span­nen­den Geschich­ten.
Wir wün­schen noch viel Freu­de und unver­gess­li­che Aben­teu­er auf dem Was­ser!

Fotos: © Lars Jacob­sen

Å SKJELVE – below free­zing. Die­sen Film muss man gese­hen haben: Stand-Up-Paddling bei ‑20 Grad im eisi­gen Nor­we­gen. Eine fas­zi­nie­ren­de Sto­ry und atem­be­rau­ben­de Bil­der in einer fast sur­rea­len Win­ter­land­schaft.

Doch wuss­tet ihr schon, dass das Team rund um die begeis­ter­te SUP Trai­ne­rin Lena Albrecht, dem mehr­fa­chen Deut­schen SUP Meis­ter Kai-Nico­las Stei­mer sowie Foto­graf Lars Jacob­sen und Video­graf Maxi­mi­li­an Sto­la­row wäh­rend des gesam­ten Drehs von – unter die­sen Bedin­gun­gen unend­li­chen – 10 Tagen im Zelt über­nach­tet hat? Und was tut man, wenn bei die­sen Tem­pe­ra­tu­ren sämt­li­che Lebens­mit­tel ein­frie­ren?

Jetzt bei uns: das exklu­si­ve Inter­view mit Lena Albrecht, die wohl das käl­tes­te Aben­teu­er ihres Lebens erlebt hat. Mit im Gepäck: span­nen­de Hin­ter­grund­in­fos und unglaub­li­che Anek­do­ten von einem fros­ti­gen Road­trip.

Lie­be Lena, erzäh­le doch ein­mal was Euch zu die­sem Pro­jekt bewegt hat und war­um ihr die­sen Film machen woll­tet.

Kai und ich pad­deln und rei­sen bei­de sehr ger­ne. Wir waren schon auf allen mög­li­chen Gewäs­sern in und um Ham­burg unter­wegs. Nun hat­ten wir ein­fach Lust auf Neu­es und woll­ten etwas Außer­ge­wöhn­li­ches erle­ben. Hin­zu kommt, dass es uns bei­den sehr am Her­zen liegt, die­sen teil­wei­se noch sehr unbe­kann­ten und neu­en Sport vor­an­zu­trei­ben und bekann­ter zu machen. Wir woll­ten den Leu­ten da drau­ßen ein­fach zei­gen, wie viel­fä­tig SUP sein kann. Um die­se Auf­merk­sam­keit zu errei­chen, bedarf es ein­drucks­vol­ler Aktio­nen. Klar, dass wir dafür die Hil­fe eines Foto­gra­fen und Kame­ra­manns benö­tig­ten. Lars und Max konn­ten wir glück­li­cher­wei­se ohne gro­ße Über­re­dungs­küns­te für unser Pro­jekt begeis­tern. Ein gemein­sa­mer Ter­min war schnell gefun­den und wir konn­ten mit der Pla­nung los­le­gen!

Wir haben gehört, dass ihr Euch ursprüng­lich ein ganz ande­res Rei­se­ziel in einer ganz ande­ren Kli­ma­zo­ne für das Pro­jekt aus­ge­sucht hat­tet. Erst kurz vor der Abrei­se hast Du erfah­ren, dass es nach Nor­we­gen geht. Was war da los?

Ursprüng­lich soll­te es nach Gam­bia in West­afri­ka gehen. Die Pla­nung für die­sen Trip hat meh­re­re Mona­te in Anspruch genom­men. In Gam­bia woll­ten wir den gleich­na­mi­gen Fluss ent­lang pad­deln – bei ange­neh­men 30 Grad Cel­si­us. Die Flü­ge waren bereits gebucht, ein Boot gemie­tet und sogar die Kof­fer gepackt – inklu­si­ve Biki­nis, Flip­flops, Mos­ki­to­schutz und Son­nen­bril­le. Doch auf­grund der poli­tisch insta­bi­len Lage und wei­te­rer Gefah­ren, die uns vor Ort mög­li­cher­wei­se erwar­tet hät­ten, haben wir uns einen Tag vor der Abrei­se gegen die­sen Plan und für ein kom­plett ande­res Ziel ent­schie­den: Nor­we­gen im tiefs­ten Win­ter. Das macht am Ende einen Tem­pe­ra­tur­un­ter­schied von über 50 Grad.

Wie­viel Tage Vor­be­rei­tun­gen blie­ben Euch und wie habt ihr das so schnell orga­ni­siert?

Da wir alle ter­min­lich sehr ein­ge­spannt sind und bereits wei­te­re Pro­jek­te in der Pla­nung hat­ten, konn­ten wir den Trip nicht ver­schie­ben. Aber wir woll­ten den Film unbe­dingt rea­li­sie­ren, also muss­ten wir die­ses Zeit­fens­ter nut­zen. Uns blie­ben also tat­säch­lich nur 3 Tage zur gesam­ten Vor­be­rei­tung. Schnell muss­ten wir die unge­fäh­re Rei­se­rou­te fest­le­gen. Wir haben einen Jeep gemie­tet und ein Zelt­an­hän­ger orga­ni­siert. Auch die feh­len­de Win­ter­be­klei­dung sowie Win­ter­schu­he und natür­lich die wich­ti­ge Funk­ti­on­s­klei­dung und das Equip­ment zum Pad­deln bei Minus­gra­den muss­te schnells­tens besorgt wer­den. Glück­li­cher­wei­se haben uns unse­re Spon­so­ren und Freun­de in die­sem Fall unter die Arme gegrif­fen und mit dem Nötigs­ten ver­sorgt. Dazu kam dann noch ein Vor­rat an Lebens­mit­teln und Geträn­ken für 10 Tage – und schon ging es los!

Ges­tern gefühlt in Afri­ka. Heu­te auf­ge­wacht in Nor­we­gen. Wie war die ers­te Nacht?

Am ers­ten Mor­gen hat­te ich tat­säch­lich den innigs­ten Wunsch alles abzu­bre­chen! Wir hat­ten unser Zelt auf einer Wald­lich­tung auf­ge­schla­gen. Es war eine so unfass­bar eis­kal­te Nacht, ich habe kei­ne Sekun­de ein Auge zube­kom­men. In mei­nem Schlaf­sack habe ich nur gezit­tert und konn­te mor­gens erst­mal gar nicht auf­ste­hen – selbst die Stie­fel und Jacken waren starr gefro­ren. Die Jungs haben mich dann aber rela­tiv schnell wie­der moti­viert wei­ter­zu­ma­chen – und das hat sich am Ende ja auch mehr als gelohnt!

Das ist Lena.

Seit vie­len Jah­ren ist die 29-Jäh­­ri­ge kaum noch von den Ham­bur­ger Gewäs­sern weg­zu­den­ken. Jeden Som­mer beglei­tet sie lei­den­schaft­lich die Anfän­ger­kur­se beim SUP CLUB HAMBURG. Seit letz­tem Jahr gehört die gebür­ti­ge Ham­bur­ge­rin zum natio­na­len Team von Fana­tic und ist bei vie­len deut­schen SUP-Events im Orga­ni­sa­ti­ons­team anzu­tref­fen. Die rei­se­be­geis­ter­te Außen­han­dels­kauf­frau arbei­tet der­zeit als Shop­ma­na­ge­rin im Salt­wa­ter Shop Hei­li­gen­ha­fen und freut sich sehr auf ihren bevor­ste­hen­den Trip ins som­mer­li­che Bra­si­li­en.

Cam­ping­plät­ze sind zu die­ser Jah­res­zeit gene­rell ein­ge­schneit. Wo habt ihr über­nach­tet und wie habt ihr Euch ver­pflegt?

In der Tat: Cam­ping­plät­ze sind im Win­ter nicht erreich­bar. Aber in Nor­we­gen darf man dank Jeder­manns­recht sowie­so über­all in der Natur sei­ne Zel­te auf­schla­gen. Und wir waren mit allem aus­ge­stat­tet, was wir brauch­ten. Wir haben mehr­mals unse­ren Stand­ort gewech­selt: ein­mal in einem Wald auf einer Hoch­ebe­ne, dann ober­halb eines Fjords mit Blick auf das dun­kel­blaue Was­ser oder auch mal direkt am Meer – eben immer dort, wo es uns land­schaft­lich gefiel und von wo aus wir unse­re Pad­del­tou­ren und Aus­flü­ge am nächs­ten Tag star­ten woll­ten.
Unser ursprüng­li­cher Ver­sor­gungs­plan schloss einen Gas­ko­cher mit ein. Doch bereits nach der ers­ten Nacht in Nor­we­gen waren sämt­li­che Lebens­mit­tel und Geträn­ke sowie auch alle Gas­vor­rä­te ein­ge­fro­ren. Die Ver­pfle­gung war so tat­säch­lich viel, viel schwie­ri­ger als gedacht: hier und da mal ein war­mer Kaf­fee an einer der weni­gen offe­nen Tank­stel­len auf unse­rem Weg, ein gefro­re­nes Käse­brot oder mal ein har­ter Müs­li­rie­gel. Zuge­ge­ben, da hät­te man sicher um Eini­ges bes­ser vor­be­rei­ten sein kön­nen. Auf jeden Fall stieg so das Aben­teu­er­le­vel unse­res Trips noch wei­ter!

Ein typi­scher Dreh­tag bei ‑20 Grad in Skan­di­na­vi­en. Wie sieht die­ser aus?

Wir sind in der Regel mor­gens noch bei Dun­kel­heit auf­ge­stan­den. Früh­stück und Dusche waren sowie­so nicht mög­lich, also haben wir erst­mal den Jeep beim Schein unse­rer Stirn­lam­pen von Schnee und Eis befreit, dann unser Pad­de­le­quip­ment ein­ge­packt, die Boards auf­ge­la­den und sind los­ge­fah­ren. Dadurch, dass wir nur ein paar Stun­den Tages­licht zur Ver­fü­gung hat­ten, muss­ten wir die Dreh­or­te und täg­li­chen Tou­ren mög­lichst gut pla­nen und auch recht­zei­tig einen neu­en Lager­platz suchen, um nicht in völ­li­ger Dun­kel­heit noch durch die Gegend zu irren.

Wel­cher Aus­rüs­tungs­ge­gen­stand darf bei sol­chen Bedin­gun­gen abso­lut nicht feh­len? Wor­auf hät­test Du unter kei­nen Umstän­den ver­zich­ten kön­nen?

Wich­tig ist auf jeden Fall ein wirk­lich war­mer Schlaf­sack – natür­lich habe ich nachts trotz­dem immer gefro­ren. Mei­ne Füs­se sind wäh­rend des gesam­ten Trips nicht ein­mal warm gewor­den. Außer­dem ist das rich­ti­ge Pad­de­le­quip­ment über­le­bens­wich­tig. Wir haben Tro­cken­an­zü­ge und dar­un­ter dicke Funk­ti­ons­kla­mot­ten getra­gen. Ins eisi­ge Was­ser zu fal­len und dabei nicht anstän­dig aus­ge­rüs­tet zu sein, woll­ten wir auf kei­nen Fall ris­kie­ren. Das kann schnell sehr gefähr­lich wer­den. Vie­le Seen waren nur zum Teil eis­frei. Da hät­te es sogar pas­sie­ren kön­nen, dass einer von uns aus irgend­ei­nem Grund unter das Eis gerät, bei die­sen Tem­pe­ra­tu­ren defi­ni­tiv zu ris­kant.

Mal etwas All­ge­mei­nes: Nor­we­gen im Win­ter. Was erwar­tet einen dort?

Jede Men­ge Schnee, eisi­ge Tem­pe­ra­tu­ren, wenig Tages­licht und noch weni­ger Men­schen. Dazu wun­der­schö­ne wei­ße Ber­ge, tie­fe Schluch­ten, kaum befah­re­ne Stra­ßen, zuge­fro­re­ne Seen, rei­ßen­de Flüs­se, eis­über­zo­ge­ne Strän­de, unbe­rühr­te Wäl­der, gefühlt ver­las­se­ne Ort­schaf­ten. Ein­fach eine Viel­zahl an außer­ge­wöh­li­chen Ein­drü­cken, viel unbe­rühr­te Natur, unver­gess­li­che Son­nen­un­ter­gän­ge und schnee­be­deck­te Land­schaf­ten so weit das Auge reicht. Ich den­ke die­se Viel­falt kommt auch sehr gut in die­sem tol­len Film rüber.

Kannst Du Dich noch an den auf­re­gends­ten Moment erin­nern?

Der auf­re­gends­te und für mich beein­dru­ckends­te Tag der gesam­ten Rei­se war defi­ni­tiv der Aus­flug zum Jostedal­s­bre­en-Gle­t­­scher. Eigent­lich woll­ten wir auf dem Glet­scher­see pad­deln. Die­ser war natür­lich – wie konn­ten wir etwas ande­res erwar­ten – kom­plett zuge­fro­ren. Also blieb uns nichts ande­res übrig, als mit unse­ren Boards im Schlepp­tau den gan­zen Weg durch den tie­fen Schnee Rich­tung Glet­scher durch den Schnee zu stap­fen. Ein wirk­lich anst­re­gen­der, vie­le Kilo­me­ter lan­ger Marsch, vor allem wenn man bedenkt, dass wir ja die gan­ze Zeit über nur so wenig zum Essen und Trin­ken hat­ten. Wir haben uns beim Lau­fen tat­säch­lich ein paar Dosen Ener­gy­drink in unse­ren Hosen­bund gesteckt – in der Hoff­nung, dass die­se dort eini­ger­ma­ßen auf­tau­en wür­den. Aber nicht mal das hat wirk­lich gut funk­tio­niert. Es war ein­fach viel zu kalt. Wäh­rend wir dem Glet­scher lang­sam näher kamen, wur­de die Luft immer eisi­ger, die Stil­le um uns her­um war so groß und als wir irgend­wann das durch­drin­gen­de Blau des Glet­scher­ei­ses sehen konn­ten, blieb uns vor Auf­re­gung fast die Luft weg. So einen Anblick ver­gisst man nicht. Das Gefühl, einem sol­chen Natur­spek­ta­kel so nahe zu sein, ist unbe­schreib­lich, ein­fach etwas ganz Beson­de­res. Zurück am Auto war es dann bereits schon wie­der dun­kel, und wir ein­fach nur platt. In einem nahe­ge­le­ge­nen Ort haben wir uns dann eine rie­si­ge, sünd­haft teu­re Piz­za gegönnt und in der dar­auf­fol­gen­den Nacht konn­te dann sogar ich trotz Käl­te ein paar Stun­den schla­fen.

Was pas­siert nun mit der Doku­men­ta­ti­on und wo kön­nen wir sie über­all sehen?

Die Doku­men­ta­ti­on von Max (FARB FILM FABRIK) ist inzwi­schen bei Vimeo online (Anm. d. Red., sie­he unten) und über alle mög­li­chen Kanä­le anzu­gu­cken. Vie­le SUP‑, Sport- und Out­door­ma­ga­zi­ne brin­gen momen­tan Berich­te über unse­ren eis­kal­ten Aben­teu­er­trip. Die welt­wei­te Reso­nanz ist wirk­lich über­wäl­ti­gend! Ich bin sehr gespannt, wo der Kurz­film in Zukunft noch über­all zu sehen sein wird!

Die Han­sea­ten­ban­de bedankt sich viel­mals für Rede und Ant­wort sowie die span­nen­den Geschich­ten.
Wir wün­schen noch viel Freu­de und unver­gess­li­che Aben­teu­er auf dem Was­ser!

Fotos: © Lars Jacob­sen

Menü