Der letzte Eis­holer vom Chimborazo

Der Aben­teu­er­wille, einer uralten Tra­di­tion auf den Grund zu gehen, führt unser Han­­se­a­­ten­­banden-Mit­­­glied nach Ecuador. Mit nur einem kleinen Notiz­zettel und dürf­tigen Spa­nisch­kennt­nissen aus­ge­rüstet, sucht Kevin nach dem viel beschrie­benen El Hie­lero: dem letzten lebenden Eis­holer vom Chim­bo­razo. Kevins Weg führt ihn zu einem bewun­derns­werten Mann der Tra­di­tion – und zu sich selbst. Ein Bericht von Kevin.

Nor­ma­ler­weise finden wir unsere Themen zwi­schen den Küs­ten­li­nien, die uns umgeben. Dort, wo an Nord- und Ostsee das Land und das Meer zusam­men­stoßen, ent­de­cken wir sehens­werte Orte und treffen span­nende Men­schen. Und doch weckt Corona wohl in uns allen jenes Fernweh, das die Han­sea­ten­bande zur Ver­öf­fent­li­chung eines ganz beson­deren Rei­se­be­richts in Form eines kos­ten­freien eBooks/ eMa­ga­zines als pdf bewegt hat. Die Crew hat jede Menge Arbeit in die Ent­wick­lung und Auf­be­rei­tung inves­tiert und so wäre es uns eine Freude, wenn du dem Aben­teuer von Kevin eine halbe Stunde deiner Zeit schenkst — es wird sich lohnen, versprochen.

Lust auf eine Leseprobe?

Es ist kaum fünf Uhr, Hähne hul­digen der auf­ge­henden Sonne, mein Atem kris­tal­li­siert in der Luft. Hinter meiner Zelt­wand höre ich schon Schritte. Ich streife mir nervös durch den Saum meines Bartes, reibe mir die Augen. Ich ziehe das leicht gefro­rene Zelt auf und schaue ins Halb­dunkel. „Buenos Dias!“ Juan sitzt ein paar Meter ent­fernt in der Hocke, als hätte er nur drauf gewartet, dass ich bald erwache. Er blickt freudig seiner heu­tigen Arbeit ent­gegen und weist auf das impo­sante Massiv, wel­ches sich in ein paar Cumulus-Wolken ver­steckt: „Chim­bo­razo!“

Ich ziehe mich leicht aus dem Zelt, kalte Tropfen perlen mir in den Nacken. Diese und ein erwar­tungs­rei­cher Anblick machen es etwas ein­fa­cher, sich aus der warmen Schale zu pulen. Die Nacht war erholsam, der Morgen wirkt roman­tisch mit seinen rosa Wolken. Das Krähen der Hähne weckt Zufrie­den­heit aus Kind­heits­tagen. Ich bin rasch in Montur, meine Haare struppig. Ich folge Juans Anwei­sungen. Um die beiden Esel wird sich als aller­erstes geküm­mert, sie werden ver­zurrt und leicht beladen, bekommen eine Ladung Heu ser­viert. Einer der Wach­hunde kriecht aus einer Erd­höhle, die als Behau­sung dient. Kaum von der Leine gelassen, tollt er lebens­froh herum, fast albern, und wird durch Juans ange­deu­tete Lei­nen­hiebe zurecht­ge­wiesen. Con­ten­ance! Dann folgen eine warme Gemü­se­brühe, sowie gekochte Eier mit viel Salz — ein spär­li­ches Früh­stück für Cham­pions. Mein Magen rumort vor Leere. Aus einer Regen­tonne wird die Was­ser­ra­tion für heute geschöpft. Aus der anderen Tonne gibt es etwas Eau de Toi­lette: Regen­wasser für das ver­schla­fene Gesicht. Nach der Erfri­schung kann die Tour zu den Eis­minen beginnen.”

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